Zukunftsräume

In seiner aktuellen Arbeit präsentiert der Künstler Matthias Max Moebius eine Reihe außergewöhnlicher Objekte:  Auf poetischen Weisen widmete er sich in seiner neuen Werkserie dem Deutschen Theater Göttingen – und stellt mit feinem Humor und einem Hauch Dystopie die Frage, was geschieht, wenn Kultur ihrer Grundlagen beraubt wird. 

Acht utopische Modellräume zeigen Szenarien in ironischen Miniaturwelten, wie das traditionsreiche Gebäude am Wall aussehen könnte, würden kunstfremde Konzepte es zweckentfremden und was geschieht, wenn die Grundlage von Kultur pervertiert würde.

Dioramen-Serie
„Theater-welt 1–8“

Theaterwelt 1
House of Porn

Text: Matthias Max Moebius

Lust auf exklusiven Spaß?
House of Porn ist offen für Singles und Paare aller Arten!
Involvierte können sich von den Rängen aus beobachten, inspirieren oder anfeuern!
Achtung: Mit dem Vorhang fallen alle Hemmungen,
wie man im Theater so schön sagt …

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 2
Filiale Media-Markt

Text: Matthias Max Moebius

Uns gibt’s nun endlich auch in der City!
Jedes Elektrogerät finden Sie hier, den dazu gehörigen Service liefern wir gratis …
der Funke springt bei uns eben immer über,
wie man im Theater schon so schön sagte …!

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 3
Erlebnisbad Tauchparadies

Text: Matthias Max Moebius

Wir öffnen unseren Abenteuer- und Erlebnispool in der City!
Kein Barrier-Riff mehr? Alles gut: die schönsten Korallen sind hier.
Bei uns tauchen Sie ein ins Bad der Gefühle,
wie man im Theater immer schon sagte.
Also: Reinspringen und sich wohlfühlen …

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 4
Haus der Braut · Pronuptia

Text: Matthias Max Moebius

Der schönste Tag Ihres Lebens naht? Nicht ohne uns!!!
Für Ihre Hochzeit ist uns keine Mühe zu viel –
wir haben für jede Ehe-Premiere vorgesorgt, auch für ein Come-Back …
Sie müssen sich nur trauen,
wie man so schön im Theater sagt!

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 5
Teppich-Kibek-Wunderland

Text: Matthias Max Moebius

Sim-Sala-Bimm – unsere Teppiche fliegen direkt zu Ihnen!
Mit einem Perserteppich unter den Füßen wird Ihr Wohnzimmer zur Bühne,
…wie man auf jedem Basar so schön sagt!
Und Sie ernten dafür überall viel Applaus!

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 6
Discothek „The Chandelier“

Text: Matthias Max Moebius

Mit Sounds und Beats heizen wir Euch solide ein.
Auf dem Dancefloor des alten Theaters zeigt Ihr was geht:
Lasst die Lichter des ehrwürdigen Kronleuchters unter Euren Moves aufflackern!!!
Hier brennen die Kerzen von beiden Seiten, Hallelujah!

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 7
Riesenrad im Trümmerhaufen

Text: Matthias Max Moebius

Unterkriegen lassen? Nee – auf Trümmerfeld folgt Grusel-Spaß.
Im hohlen Zahn der Geschichte keimt neues geiles Leben,
mit Dart, Zuckerwatte, Hot Dog und Riesenrad … und Unmengen Bier.
Fuck Future, feier’ den Moment – sagte man das nicht am Theater?

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Theaterwelt 8
Obi’s Tropencafé

Text: Matthias Max Moebius

Im Café Tropical entfliehst Du dem grauen Alltag –
OBI bereitet Dir, nach einem anstrengenden Einkauf,
unterm immergrünen Palmendach die perfekte Südsee-Illusion: „See Bahamas – Be Bahamas“, wie man im Theater schon sagte …

Matthias Max Moebius, Diorama, 2025 - Foto: Frank Stefan Kimmel

Matthias Max Moebius

Matthias Max Moebius wurde in Frankfurt am Main geboren, studierte Kunsterziehung in Mainz und Bühnenbild in Hamburg. Er war Mitglied der Performance-Theatergruppe a.b., arbeitete als Bühnenbildner an verschiedenen deutschen Theatern und unterrichtete später als Lehrer für Kunst und Darstellendes Spiel in Berlin und Göttingen. Seit 2024 ist er als freischaffender Künstler in Göttingen tätig. Zu seinen jüngsten Ausstellungen zählen die Gruppenausstellung „ZwischenRäume“ (Torhaus-Galerie, 2024) und eine Einzelausstellung in der Reinhäuser Galerie im Bild (2025).

Sein künstlerischer Zugang entsteht über verkleinerte Modelle, die Räume in einer „Zwergenwelt“ darstellen. Besonders die Transformation historischer Räume und deren mögliche Zweckentfremdung stehen im Fokus seiner aktuellen Werkserie.